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“Dürfen SeminarleiterInnen bei intimen Übungen mitmachen?”

Jemand fragte das Team Dr. Love am 31.1.2017 folgendes

“Findet ihr, Seminarleiter/innen sollten selbst nicht bei intimen Übungen mitmachen und auch für die Dauer eines Workshops keine intime Beziehung zu Teilnehmer/innen aufbauen?”

Chono antwortete

Liebe/r Fragende,
die Frage ist definitiv ein heißes Eisen, und auch Tandana und ich sind da nicht der selben Meinung.

Kurz von mir widergespiegelt sagte sie, dass eine solche Intention beim / bei der Seminarleitenden das Lernfeld und den sicheren Raum stört, einen Nebenschauplatz aufmacht, der vom Seminarinhalt und den Zielen der/s Teilnehmenden ablenkt. Sie meint aber auch, dass Lust und Liebe nicht immer fragen, wo sie hinfallen, und dass daran nichts schlechtes ist, wenn’s denn dann doch mal knistert. Sie selbst hatte mal eine Affäre mit einem ihrer Tanzlehrer, und es war völlig okay. Sie geht davon aus, dass Du von keiner bestimmten Art von Seminaren sprichst, also Tantra genauso gemeint sein kann wie EDV oder (Straßen-)Verkehrserziehung. Gerade aber in intensiven Selbsterfahrungsgruppen findet sie es besonders unangebracht, es können zu viel Projektionen, Übertragungen und Verstrickungen passieren.

Ich hingegen bin davon ausgegangen, dass Du von Seminaren sprichst, wo es auch irgendwie um Sexualität geht. Darauf bezogen bin ich der Meinung, dass es, wie fast überall im Leben, auch in dieser Frage kein grundsätzliches falsch & richtig, geschweige denn gut & böse gibt. Ich denke, entscheidender ist das Wie und Wofür. Ich selbst habe es als Teilnehmer erlebt, dass in einem Wochenendseminar ein offener Begegnungsabend, in dem die LeiterInnen Teil der Gruppe wurden, sehr sinnhaft in die gesamt Prozessarbeit integriert wurde. Es ging darum, sexuelle Sehnsüchte und vor allem Projektionen besser zu verstehen und Wünsche und Grenzen besser zu kommunizieren, und da war der offene und teilweise konfrontative Einstieg der wesentlich erfahreneren SeminarleiterInnen in das sexuelle Geschehen sehr förderlich. Ich bin der Ansicht, dass es im Tantra niemals um Traditionen oder Grundsätze gehen sollte, sondern immer um Präsenz und Achtsamkeit, das neue umarmen, erspüren, erleben, beobachten, was macht es mit mir, und eigenverantwortlich mit sich, seinen Bedürfnissen und Grenzen umzugehen lernen. Darum sind auch die meisten unserer Veranstaltungen keine klassischen Seminare, sondern “Erlebnisräume”, die wir gemeinsam mit unseren TeilnehmerInnen für diese genauso wie für uns selbst kreieren. Wir haben uns für diese begriffliche Trennung entschieden, da es uns für das Einander-Verstehen sinnvoller erschien. Aber bei genauerem Hinsehen, finde ich, dass dieser Fokus auf Rollen und Begriffe gar nicht so sinnvoll ist.

Letzten Endes geht es immer um bewusste Begegnung. Wenn ich eine Gruppe leite, der ich kommuniziert habe, “Dies ist ein therapeutisch geschützter Raum”, halte ich einen Raum, in dem ich viel Verantwortung für mich und auch die anderen übernehme. Solange ich aber meinen Grundwerten von Achtsamkeit und Eigenverantwortung folge, ist es in einer sexuellen Begegnung nicht anders. Darum sehe ich auch keinen Widerspruch darin. Solange ich der Meinung bin, ich kann diesen “doppelten Raum” halten (SeminarleiterInnen sind ja oft auch nicht allein), und solange ich klar kommuniziert habe, dass Achtsamkeit, Eigenverantwortung und das gegenseitige Einvernehmen der Rahmen sind, in dem wir alle agieren, ist alles in bester Ordnung.
Aber ich gebe zu, dass das, was ich beschreibe sicherlich eine fortgeschrittene Disziplin für beide Seiten darstellt und alles andere ist als “eine sichere Sache”. Sicherheit ist aber auch nie mein Weg gewesen, ich plädiere mehr für das mutige und offenherzige Forschen in Gebieten, für die es noch keine Landkarte gibt. Ich finde dort ein Minimum an Regeln meist sehr hilfreich. Darum ist es gut, dass ich Tandana an meiner Seite habe.

Soviel zu unserer Meinung. Uns beide würde als Dr.Love aber sehr interessieren, was hinter Deiner Frage steckt. Hast Du eine Erfahrung gemacht? Als TeilnehmerIn oder SeminarleiterIn? Oder denkst Du darüber nach selbst etwas zu gestalten? Was hat Deine Frage mit DIR zu tun?

Neugierige Grüße
Chono (mit Grüßen von Tandana)

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Quelle: “Dürfen SeminarleiterInnen bei intimen Übungen mitmachen?”

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